Wer kann helfen?
Im Raum Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg) sind im Mai 1945 die versehentlichen Abschüsse eines deutschen Schulflugzeuges sowie zweier deutscher Jäger verzeichnet. Näheres dazu fehlt bislang!
Hier die Ausführungen von Herrn Klaus Rethwisch, der mehr in Erfahrung bringen möchte:
Auszug aus dem Buch über Erinnerungsstätten und bemerkenswerte Anlagen in Angeln, Bereich Ostangeln von 1993, Seite 98.
Ein hölzernes Grabkreuz für drei abgeschossene deutsche Flieger auf dem Friedhof in Rabenkirchen-Faulück, SL-FL.
Die Flieger waren mit einer Schulmaschine der Luftwaffe auf dem Weg zu einem neuen Standort. In Höhe Karschau wurde die Maschine irrtümlich von der Besatzung des dort vor Anker liegenden Blockadebrechers "Millerntor"abgeschossen. Der Pilot wurde schwer verletzt geborgen. Die drei anderen Insassen waren tot. Sie wurden am selben Tag, dem 2. Mai 1945, im Kummeryer Wald (Grenze zur Gemeinde Grödersby) beigesetzt und kurze Zeit darauf auf den Friedhof Rabenkirchen umgebettet. In der Nachkriegszeit versuchte der " Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" eine Bestattung auf dem Ehrenfriedhof Karberg bei Schleswig zu erreichen. Die Mutter des Fliegers Majewski erhob Einspruch. Man solle den Toten ihre Ruhe lassen. Nach Schriftwechsel mit hohen Persönlichkeiten der BRD erreichte sie schließlich, dass die Toten in Rabenkirchen blieben. Der Volksbund hat die Pflege der Grabanlage übernommen. Das Kreuz trägt die Aufschrift:
OBFW Erich Borges, * 3. 1. 1914
UTFZ Georg Majewski, * 10.3.1922
StABSFW Joachim Katte, * 21.7.1916
Zeitzeugen geben folgende
Ereignissdarstellung:
Am Absturztage und davor waren starke Flugzeugbewegungen zu beobachten. Es wurde
sowohl deutsche als auch feindliche Maschinen ausgemacht. Man vermutete, dass
deutsche Verbände ihre Basen räumten weil die Einnahme durch die britischen
Streitkräfte bevorstand. Sie wollten wohl nördlich liegende Plätze
erreichen.
Es war schwierig Freund und Feind zu unterscheiden. In der Schlei vor Karschau
lag der Blockebrecher "Millerntor" vor Anker. Das Schiff war mit starker
Flak ausgerüchtet. Von der Vierlingsflak bis zu 10,5 Geschützen. Ein
Flugmeldesystem dürfte es nicht mehr gegeben haben. An diesem 2.Mai näherte
sich ein Verband aus Richtung Süden der Schlei. Es wurden aber auch britische
Maschinen gesichtet. Die deutschen Verbände benutzten den unteren Luftraum.
Oben hatte der Gegner das Sagen. Die Schulmaschine näherte sich im Tiefflug
der "Millerntor". Was sollte die Flakbedienung tun. Man war das "sich
wehren" gewohnt und schoß vorsorglich. Man traf auch. Das unbewaffnete
Schulflugzeug, eine Art Sportmaschine mit Sitzen nebeneinander wurde instabil
und setzte über die Achterleine des Schiffes auf den Strand auf. Ein Zeitzeuge
will einen BMW Motor, 8 Zyl. erkannt haben.
Über das Schicksal des verletzten Flugzeugführers ist nichts bekannt
geworden.
Auszug aus einer bei der Stadt Kappeln archivierten Schrift
"Ereignisse aus der
Kriegszeit und nach dem Zusammenbruch"
von Sönke Meeder.
.Im April
/Mai 1945 drängten immer mehr Schiffe der Kriegs- und Handelsmarine in
die Schleswig Holsteinischen Häfen. Auch der Kappelner Hafen war sehr stark
mit diesen Verbänden belegt. Hinzu kamen Truppenteile der Wehrmacht und
Flüchtlingstrecks aus den Ostgebieten. Die Lage war Anfang Mai sehr angespannt.
Am Himmel waren ständig Jäger und Jagdbomber der Alliierten als Ausdruck
auch vollständiger Luftüberlegenheit. Auf den Schiffen, die sehr stark
mit Luftabwehrgeschützen armiert waren, darunter auch Vierlingsflak, herrschte
fast ständig Gefechtsbereitschaft. Nun kam es zu einem Ereignis das nur
mit der hektischen und nervösen Allgemeinlage erklärt werden kann
Am 2. Mai 1945, an einem Vormittag, erschienen über dem Espenisser Gehölz
Jagdmaschinen im Tiefflug. Sie wurden umgehend unter konzentriertes Abwehrfeuer
genommen. Eine Maschine kam sofort ins Trudeln. Teile des Motors oder der Rumpfbekleidung
lösten sich und fielen in die Schlei. Auch eine weitere Maschine wurde
schwer getroffen. Die Aufschlagstelle war im ersten Fall ein Kleingartengelände
in Kappeln, heute Eurospar, kurz vor dem Verlobungsweg. Die zweite Maschine
stürtzte auf ein Haus in Sandbek neben der Schmiede. Dieses Haus gehörte
Hermann Behrend, der z.Z. des Unglücks Soldat war. Es hatten sich gerade
8 Personen um den Mittagstisch versammelt als die abgeschossene Maschine in
dieses Haus raste und alles sofort in Flammen setzte. Mit schweren Brandverletzungen
wurden die Kinder und Erwachsenen in die Diakonissenanstalt oder in das Kappelner
Krankenhaus gebracht.
Der Pilot war sofort tot. Von den verletzten Hausbewohnern haben nur 2 überlebt.
Hermann Behrend hat nach seiner Rückkehr aus dem Krieg diese Tragödie
nicht verkraftet, wurde wunderlich und ist bald verstorben.
Die Ausarbeitung eines Edgar Pankalla, ebenfalls bei der Stadt Kappeln archiviert,
enthält einen Lageplan der Soldatengräber auf dem Friedhof in Kappeln.
Danach sollen die Gräber 1-3 zwei unbekannte deutsche Flieger und einen
auf Schleimünde verstorbenen Infanteristen enthalten. Bei den Fliegern
handelt es sich um die Piloten dieser beiden Flugzeuge.
Die Flugzeuge wurden als deutsche Maschinen an den Hoheitsabzeichen erkannt. Über den Flugzeugtyp ist nichts bekannt.
Folgende Suchfrage:
Wer kann etwas über Flugbewegungen des 2. Mai 1945 im besagten Bereich
sagen?
Kann jemand anhand von Flugbüchern mögliche Einheiten zuordnen (Ziel 2. Mai Flensburg?)? Ich sehe ein, dass das nicht einfach sein dürfte, da eine Vielzahl von Verlegungen in den Norden stattfand...
Da die Namen
der Besatzung des Schulflugzeuges bekannt sind, müsste sich doch auch einen
Einheit feststellen lassen?
Es ist nichts darüber bekannt geworden, ob nach Beendigung des Krieges im Rahmen des Gefallenen - bzw. Vermißtensuchdienstes die Identität der Jäger-Piloten aufgeklärt wurde.
E-Mail:
Klaus Rethwisch
Tel.: 04642 4252, Fax 04642 964774