Seefliegerhorst Großenbrode

von Bodo Hagemann, Heiligenhafen

Der Seefliegerhorst Großenbrode wurde in 5jähriger Bauzeit in den Jahren von 1937 bis 1942 erbaut. Durch den neugeschaffenen Binnensee und die abschließende Mole zur Ostsee hin, wurden für die startenden und landenden Wasserflugzeuge ideale Bedingungen geschaffen.

Neben diesen Wasserlandeflächen verfügte der Seefliegerhorst auch über zwei sich kreuzende Start- und Landebahnen von je 1280 m Länge, auf denen sämtliche damals im Einsatz befindliche Flugzeuge gefahrlos starten und landen konnten.

Die gesamten Baumaßnahmen waren etwa im Juni 1942 abgeschlossen (hier die heutige Ansicht eines ehem. Luftwaffengebäudes)

Bereits am 01.08.1938 wurde die Seefliegerhorstkommandantur (Ld/S) C in Großenbrode aufgestellt; zum 01.04.1939 wurde sie in die Seefl.H.Kdtr. (LD/S) B umgewandelt.

Ab dem 15.06.1939 wurde die Lufttorpedoschule der Luftwaffe mit einer Lehrgruppe eingerichtet; erster Kommandeur ist Oberstleutnat Wilhelm Cranz.

Ab dem 15.10.1941 wird in Großenbrode das K.S.G. 2 (Kampfschulgeschwader 2) mit zwei Lehrgruppen aufgestellt; erster Kommodore ist Oberst Karl Stockmann. Da die Aufstellung des KSG 2 bereits zum 07.11.1941 abgeschlossen ist, kann das Geschwader bereits am 23.11.1941 nach Grosetto in Italien verlegt werden.

Am 15.03.1942 wird die „Lufttorpedoschule der Luftwaffe“ in „Flieger Waffentechnische Schule 3“ (Fl.Waff.T.S. 3) umbenannt. Diese Bezeichnung wird dann bis Kriegsende beibehalten. Kommandeur der Schule wird Oberstleutnant Fritz Schacke.

Auf dem Seefleigerhorst Großenbrode war während des 2. Weltkrieges kein ständiger Einsatzverband stationiert. Der Seefliegerhorst diente mit all seinen Einrichtungen der

• Aus- und Weiterbildung der Besatzungen im Lufttorpedo-(LT-)Wurf (bis November 1941)

• Aus- und Weiterbildung des Bodenpersonals für die Luftminen-(LM) und Lufttorpedo-(LT-) Züge

• Umschulung von Besatzungen auf andere, neue Flugzeugmuster

• Umrüstung verschiedener Flugzeugtypen

• Wiederauffüllung und Erholung einzelner Staffeln und Gruppen

• Neuaufstellung von Einsatzstaffeln

Mit der Verschärfung des alliierten Luftkrieges gegen das Deutsche Reich, gerade auch bei Nacht, erlangte der Seefliegerhorst eine neue, zusätzliche Bedeutung. Da er nachflugfähig ausgestattet war und ständig einsatzbereit gehalten wurde, diente er den Nachtjagd-Maschinen der 2. Jagddivision als sogenannter Einfall-Horst.

Ehemalige Zufahrt zum Flugplatz Großenbrode

Innenansicht der Zufahrt mit Wache heute

Auch Teile der Minensuchgruppe MAUSI wurden auf dem Seefliegerhorst Großenbrode stationiert, um von hier aus die Zwangsschiffahrtswege in der Kieler und der Lübecker Bucht von gegnerischen Magnetminen zu räumen. Erst gegen Ende des Krieges, nachdem sich die Alliierten die uneingeschrängte Luftüberlegenheit über dem damaligen Reichsgebiet erkämpft hatten, gewannen auch Ziele wie der Fliegerhorst Großenbrode an Bedeutung. So erlebte die Bevölkerung von Großenbrode in den Jahren 1944 / 1945 noch drei alliierte Luftangriffe, deren primäres Ziel allerdings der Seefliegerhorst war:

25.08.44

Der am 25. August 1944, gegen 12:30 Uhr, erfolgte Tag-Angriff durch die USAAF richtet keine größeren Schäden an, da die überwiegende Zahl der abgeworfene Bomben (insgesamt 27,5 t) weder den Flugplatz noch das Dorf selbst trafen. Trotzdem waren aus den Reihen der Großenbroder Bevölkerung zwei Todesopfer zu beklagen.

26.04.45

Gegen Ende des Krieges, am 26. April 1945, um 22:45 Uhr, erfolgte ein Nacht-Angriff der RAF auf den Flugplatz, der in erster Linie wohl die hier in großer Zahl – mehr als 100 Stück – gelandeten bzw. abgestellten Flugzeuge zum Ziel haben sollte. Dem Bomberverband vorausfliegende „Pfadfinder“ – Maschinen markierten das Ziel mit sogenanten „Christbäumen“. Der in dieser Nacht sehr starke Südwind trieb diese Markierungen jedoch über das Dorf, wo dann auch die Bomber ihre tödliche Last, bestehend aus 28,6 t Sprengbomben, 0,7 t Brandbomben und 11 Luftminen, abwarfen. Neben erheblichen Zerstörungen im Bereich der Höfe Aue waren mindestens 12 Todesopfer zu beklagen. Bei den am nächsten Morgen beginenden Aufräumungsarbeiten explodierten noch mehrere, vermutlich mit Zeitzündern versehene Bomben.

03.05.45

Buchstäblich in den letzten Tagen des Krieges, nämlich am 03. Mai 1945, gegen etwa 21:00 Uhr, griffen nochmals 24 Jagdflugzeuge der RAF, aus Faßberg kommend, mit Bordwaffen den Flugplatz an. Es entwickelte sich ein erbitterter Luftkampf, in dessen Verlauf – englischen Angaben zufolge – eine große Anzahl deutscher Jagdflugzeuge abgeschossen und viele andere am Boden stehende Maschinen zerstört worden. Von den Angreifern erreichten nur 13 Maschinen, zum Teil schwer beschädigt, wieder ihren Absprungflugplatz Faßberg.

Eine He 111 des KG 26 wird in Großenbrode mit Torpedos beladen

Bodo Hagemann, Wilhelm Hardt Straße 2, 23774 Heiligenhafen, Tel.: 04362 / 2447