Der Fliegerhorst Lübeck- Blankensee

von Thomas Hampel

Die Geschichte der Lübecker Flugplätze Blankensee und Travemünde beginnt weit vor 1933, doch soll sich dieser Beitrag auf den Fliegerhorst Lübeck-Blankensee beschränken. Dies kann auch nur in gekürzter Form geschehen, denn die Geschichte dieses Platzes in allen Details wiederzugeben wollen, würde ein ganzes Buch füllen. Vielleicht findet sich ja noch jemand, der sich dieser interessanten Thematik einmal annimmt und die Historie detailliert aufarbeitet. Interessanterweise liegen uns weit bessere Informationen aus der Spätzeit des Fliegerhorstes vor, denn am Ende des Krieges war hier eine große Zahl unterschiedlichster Luftwaffeneinheiten anzutreffen.

Ab1935 wurde der südöstlich von Lübeck am Blankensee gelegene Platz zunächst von einem Fliegerausbildungsregiment bezogen. Seit 1933 hatte sich die Fläche des Flugplatzes durch den Bau nahezu verdoppelt. Neben umfangreichen Kasernengebäuden und Hangars, wies der Platz eine Graslandefläche und eine befestigte Startbahn auf. Im Jahre 1942 wurde das Fernmeldenetz des Flughafenbereichs ausgebaut und ab 1944 unterstanden dem Flughafenbereich Lübeck-Blankensee die Plätze Uetersen, Neumünster, Großenbrode, Kaltenkirchen, Fuhlsbüttel und der Industrieplatz Finkenwärder.

Übersichtsplan des Fliegerhorstes Lübeck-Blankensee mit Startbahn und südlich gelegenen Hallen- und Gebäudekomplexen.

Die ersten fliegenden Einheiten waren die mit Ju 87 ausgerüstete I./162 „Immelmann“ und später das Kampfgeschwader 26 (Löwengeschwader) mit He 111 Flugzeugen, dass den Platz bis Kriegsende nahezu durchgehend in unterschiedlicher Stärke nutzte. In der Folgezeit sorgten die nahegelegenen Dornier-Werke mit ihrem Einflugbetrieb und diverse Überführungsflüge vom Luftpark Stendal nach Blankensee für rege Flugtätigkeit auf dem Platz, die sich 1940 durch die Besetzung Norwegens und Dänemarks nochmals durch die Verlegung der 1.(F)/120 kurzzeitig verstärkte.

Kasernengebäude des Fliegerhorstes und die Zufahrt mit Tor.

Bis Ende 1944 herrschte relative Ruhe, ausgenommen eines Wechselflugbetriebes mit den Erprobungsstellen Travemünde und Tarnewitz, sowie vereinzelten Nachtjäger, die zeitweise in Blankensee anzutreffen waren. Durch die Stationierung der IV./KG 26 kam es im Bereich des Flugplatzes zu diversen Abstürzen mit Todesfolge. Im Juli 1944 löste noch die II./KG 3 in Blankensee auf, doch im Herbst wurde es langsam eng auf dem Platz und so wurde eine Staffel des KG 26 an den Wardersee bei Pronstorf verlegt. Die Starts und Landungen wurden dort auf den östlich gelegenen Seeuferwiesen durchgeführt. Zu dieser Zeit befanden sich auch Teile des KG 40 in Blankensee und im Frühjahr 1945 begann der Platz gänzlich aus den Nähten zu platzen. Alliierte Luft- und Tiefangriffe sorgen für erste Beschädigungen, die später derart zunehmen, dass das fliegende Personal in eine Laubenkolonie an der Wakenitz ausquartiert wird. Neben Nachtjägern des NJG 5, befinden sich ab Mitte April u.a. die III./KG 200, sowie Teile des Schlachtgeschwaders 151 auf dem Platz, die letzte Einsätze im Osten fliegen. Flugzeuge dieser Verbände werden ebenfalls gegen die Briten eingesetzt, die am 29/39.April 1945 bei Lauenburg die Elbe überschreiten und auf Lübeck vordringen. Die Anwesenheit von Düsenflugzeugen vom Typ Ar 234 und Me 262 sorgt dafür, dass der Fliegerhorst Blankensee Tag und Nacht überwacht und angegriffen wird, denn die III./KG 76 und 1.(F)/123 lag zu diesem Zeitpunkt ebenfalls mit Ar 234 Flugzeugen in Blankensee. Für die 10./NJG 11, die mit Me 262 Nachtjägern ausgerüstet war, stand nur eine Teilstrecke der Autobahn Hamburg-Lübeck zur Verfügung, die als Start-und Landebahn genutzt wurde.

Eine stehengelassene Me 262 der 10./NJG 11 an der Autobahn bei Reinfeld. Das Flugzeug wurde erst Ende August 1945 von den Briten geborgen und nach Lübeck zur Beutesammelstelle gebracht, wo es dann verschrottet wurde.

In den letzten Tagen des Krieges spielten sich im Umfeld des Fliegerhorstes Blankensee teilweise wahre Tragödien ab. Auf englischer und deutscher Seite starben im Verlauf der letzten Luftkämpfe viele Flugzeugbesatzungen noch einen sinnlosen Tod, obwohl das Ende schon abzusehen war. Nicht weniger dramatisch gestaltete sich die Einnahme des Flugplatzes durch erste britische Einheiten in den Morgenstunden des 3.Mai 1945. Von Mölln kommend, stockte der englische Vormarsch plötzlich an der Ortschaft Groß Grönau. Hier leistete eine deutsche Flak- und Infanterieeinheit heftigen Widerstand und verwehrte ein weiteres Vordringen Richtung Lübeck. Eine kleine englische Aufklärungseinheit, deren vornehmliches Ziel der Flugplatz Blankensee war, mußte warten bis eine Kompanie der 2nd Cameronians die Ortschaft mit einem Bajonettangriff stürmte. Dabei gab es deutscher Seite noch etwa 60 Tote.

Englische Soldaten am Ortseingang von Groß Grönau. Es sind nur noch wenige hundert Meter bis zum Flugfeld, dass zu diesem Zeitpunkt noch immer in Betrieb war.

Auf einem Feldweg erreichte man wenig später den Flugplatz. Hier bot sich den Briten zunächst ein chaotisches Bild mit einer Vielzahl von brennenden Flugzeugen, einer Kraterlandschaft mit Bombentrichtern und einer großen Zahl von Luftwaffeneinheiten unterschiedlichster Herkunft. In kurzer Zeit wurden etwa 700 Gefangene gemacht. Nach Sicherung der Einrichtungen des Fliegerhorstes wurde das Umfeld durchkämmt und die Zahl der gefangenen Deutschen erhöhte sich auf 2000. Eine mitgeführte Einheit (Airfield Construction Group) machte sich sofort an die Reparatur der zerstörten Startbahn, die am 7.Mai wieder genutzt werden konnte. Noch am 8.Mai 1945 landeten einige Fw 190, Ju 88 und Ju 52 aus dem Osten kommend, in Blankensee und ergaben sich den Briten. Der Krieg war damit beendet, aber nicht die Geschichte des Flugplatzes Blankensee.

Eine englische Tempest der No. 247 Squadron kurz nach Krieg vor den Hangars in Lübeck-Blankensee. Umherliegender Flugzeugschrott und Bombentrichter sind das Resultat der vorangegangenen Luftangriffe.

In den ersten Nachkriegsmonaten entstand eine Beutesammelstelle, die eng mit anderen englischen Einheiten in Travemünde zusammenarbeitete. Im Rahmen der Demilitarisierungsmaßnahmen wurde der gesammelte Schrott tonnenweise nach Travemünde gebracht, dort auf Schiffe verladen und dann in der Ostsee versenkt. Brauchbares Fluggerät wurde durch deutsche Arbeitsgruppen ausgebaut, sortiert und zur Einschiffung nach England vorbereitet. Ähnlich wie auf anderen deutschen Flugplätzen, waren auch hier die Sieger die ersten Arbeitgeber für Kriegsgefangene und Zivilisten. Bis 1950 wurde Lübeck- Blankensee von einer Vielzahl englischer RAF Einheiten genutzt. Während der Besatzungszeit waren hier etwa 40 verschiedene Squadrons stationiert.

Gloster Meteor der No. 616 während der Betankung in Blankensee, wo die Einheit zwischen Mai und August 1945 stationiert war.

Einen weiteren Höhepunkt bildete die Zeit der Berliner Luftbrücke. Auch von Lübeck- Blankensee starteten die britischen Dakotas zu ihren Versorgungsflügen nach Berlin. Letzte Einheiten verblieben hier bis zum Februar 1950. Im Jahre 1952 begann man dann zunächst wieder mit dem Segelflugbetrieb auf dem ehemaligen Fluggelände, dass später zum Flughafen Lübeck- Blankensee ausgebaut wurde.

Dakotas zur Zeit des Berlin Airlift auf dem Rollfeld in Lübeck- Blankensee.