Flugplatz Hohenaspe von Frank Quast, Seestermühe

/ Hungriger Wolf

Obwohl in diesem Bereich bereits vor dem 1 Weltkrieg Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde, ist nur sehr wenig  über die frühe Geschichte des Flugplatzes erhalten geblieben. Trotzdem möchte ich hier einen kurzen Abriß der Geschichte geben.

Der Platz liegt etwa 8 km NO von Itzehoe (für die Nicht-Schleswig-Holsteiner: ca.60 km NO von Hamburg, Koordinaten 53 59 45 N – 09 34 45 O)

Die Anfangszeit bis zum Ende des 1.Weltkrieges

Seit 1898 war das Gelände Teil des Truppenübungsplatzes „Lockstedter Lager“. Hier lagen bei Schießübungen schwere Batterien in Stellung. Die eigentliche Militärfliegerei begann schließlich 1905, als auf der nahe dem heutigen Flugplatz gelegenen Hasenheide, einem Geländestück im Holsteiner Wald, ein provisorischer Feldflugplatz errichtet wurde. Luftschiffer-Abteilungen ließen hier fortan Freiballone aufsteigen und beobachteten das Artilleriefeuer auf dem Übungsplatz. Später kamen dann auch die ersten Flugzeuge, wie die „Rumpler Taube“ nach Hohenaspe, später aber auch andere Jagd- und Beobachtungsflugzeuge. Ein besonderes Ereignis, war dabei sicherlich die Landung von Leutnant v. Hiddensee im Jahre 1915. Dieser war zu Ruhm gekommen, weil er kurz zuvor als erster deutscher Pilot einen militärischen Einsatz über Paris geflogen und dabei Bomben abgeworfen hattte.

Leutnant von Hiddensee auf der Hasenheide, Mai 1915

Luftschifferabteilung auf der Hasenheide, 1912

Zwischen den Kriegen

Während nach dem 1.Weltkrieg der eigentliche Truppenübungsplatz praktisch aufgelöst wurde, blieb ein kleiner Teil von etwa 200 ha im Bereich des heutigen Flugplatzes als Übungsgelände für die Reichswehr erhalten. Hier führten in den folgenden Jahren die Artillerieeinheiten aus Itzehoe Fahr- und Rahmenübungen durch, scharf geschossen wurde hingegen nicht mehr. Seit 1932  wurde das Gelände zusätzlich von einer sogenannten Geländesportschule, ab 1935 von einer SA Sportschule genutzt.

Schon 1936 begann man aber in diesem Areal, das auch unter der Flurbezeichnung „Hungriger Wolf“ bekannt ist, mit Planierarbeiten, um ein Rollfeld mit Grasnarbe zu schaffen. Gleichzeitig wurde ein Gebäude errichtet und dieses vom Platzlandwirt H.Vogt bezogen.

Im 2. Weltkrieg

Auch wenn das neue Rollfeld schon vor dem Kriege als Zwischenlandeplatz diente, so machte der Bau von Barackenunterkünften im Herbst des Jahres 1939 erst einen vollständigen Feldflugplatz aus ihm. Mit Beginn des Weltkrieges wurde dem Kloster Itzehoe ein angrenzendes Waldstück enteignet und dem Flugplatzgelände zugeschlagen, das dadurch nunmehr eine Ausdehnung von etwa 250ha aufweisen konnte.

In welchem Umfange der E-Hafen Hohenaspe im Weltkrieg von Flugzeugen angeflogen wurde, steht bis dato nicht fest. Entsprechende Eintragungen in Flugbüchern sind bisher nicht aufgetaucht, so daß man zur Zeit nur Spekulationen darüber anstellen kann. Viel Betrieb wird aber nicht gewesen sein, denn zusammenhängende Staffeln haben von hier aber offenbar zu keiner Zeit operiert. Ob der Platz, wie die anderen Plätze in Schleswig-Holstein auch, am Ende des Krieges als Endstation für die Reste der geschlagenen Luftwaffe diente, ist ebenfalls nicht überliefert. Es gibt hier also noch reichlich Klärungsbedarf.

Seit dem 23.April 1942 wurde in Hohenaspe das Luftwaffen Ersatz Bataillon XI aufgestellt. Das Barackenlager hatte zu dieser Zeit eine normale Aufnahmekapazität von 430 Uffz. und Mannschaften, bei engster Unterbringung sogar von 860 Männern. Für Kfz stehen als Abstellmöglichkeit 70qm unter Schleppdächern zur Verfügung. Wie eine Übersicht mit Stand 1.Mai 1942 zeigt, waren erst 8 Soldaten des Vorkommandos hier stationiert.(nämlich 3 Offiziere, 1 Unteroffizier und 4 Mannschaftsdienstgrade).

Einen Monat später liegen in Hohenaspe jedoch bereits 599 Luftwaffensoldaten des Flieger Ersatz Bataillons XI. Diese setzten sich aus 11 Offizieren, 127 Unteroffizieren und 461 Mannschaften zusammen. Die Einheit verfügte über 6 Kfz. Der Austellung ist weiterhin zu entnehmen, daß sich zu diesem Zeitpunkt auch keinerlei Flugzeuge auf dem Platz.befanden.

Bereits am 6 Mai  findet eine Besichtigung des Bataillons durch Oberst Prestin, Kommandeur des Flughafenbereichs Lübeck-Blankensee, statt. Weitere Besichtigungen folgen im wöchentlichen Abstand. Schließlich verlegt das Bataillon am 18.Juli in Stärke von 10 Offizieren und 428 Mannschaften im Bahntransport nach Neumünster, wo es noch einige Jahre stationiert bleieb.

Während der Belegung mit dem Luftwaffen Ersatz Bataillon XI unterstand Hohenaspe dem Kommandanten des Fliegerhorstes Uetersen. Von diesem Fliegerhorst stammten auch mehrere Offiziere, die in Hohenaspe eingesetzt waren. Es liegt die Vermutung nahe, daß der E-Hafen Hohenaspe auch zu anderen Zeiten dienstlich an den Fliegerhorst Uetersen angegliedert war. Auf einem Feldpostbrief von Mai 1942 findet sich neben der Absenderangabe des Lw.Ers.Batl. XI in Hohenaspe auch ein Feldpoststempel des „7.(Gen) Kompanie Flg. Ausb. Rgt.42“, zu dem es offenbar eine Verbindung gegeben haben muß.

 

Nach dem Kriege

Nach dem Zusammenbruch 1945 dienten die Baracken ehemaligen Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern, den sogenannten „Displaced Persons“, als Unterkunft. Eine Quelle nennt eine Belegung mit 3000 Polen. Ab 1946 wohnten hier Heimatvertriebene für viele weitere Jahre.

Am 25.Mai 1955 wurde der Platz als erster Sportflughafen der Bundesrepublik eingeweiht, bis heute wird hier Sportfliegerei betrieben. Aber schon 1959 wurde der Platz auch militärisch genutzt , als eine Heeresfliegerstaffel von Celle-Wietzenbruch zum „Hungrigen Wolf“ verlegte. Die für die Bundeswehr errichtete Kaserne erhielt 1965 den Namen „Waldersee-Kaserne“. Namensgeber war hierbei der Generalmarschall von Waldersee, der ab 1900 auf dem benachbarten ehemaligen Truppenübungsplatz Lockstedter Lager Truppen für den Boxeraufstand aufgestellt hatte. Das Heeresfliegerbataillon 6 ist insbesonders durch die Katastropheneinsätze bei der Sturmflut 1962 und der Schneekatastrophe 1979 bei der Bevölkerung ins Bewußtsein gerückt. Durch Umstrukturierung wurde 1980 aus dem einstigen Heeresfliegerbataillon das Heeresfliegerregiment 6. Doch auch dessen Tage scheinen gezählt, denn im Zuge der Verkleinerung der Bundeswehr soll auch dieser Standort gestrichen werden.

Weitere Details finden sie unter:

http://www.sh-home.de/~s.j.schaefer/index.html